Vom Ultra in die Einsamkeit des Himalayas – Projekt Nepal 2026
Vom Ultra in die Einsamkeit des Himalayas – Projekt Nepal 2026
Wie entsteht die Idee, seine Komfortzone komplett zu verlassen? Nach ersten Ultra- und Himalaya-Erfahrungen sowie einem 6000er suchte ich eine neue, technischere Herausforderung um die 7000 Meter. Da dieser Aufbau die perfekte Vorbereitung für einen 8000er ist, entschied ich mich, meinen Traum zu verwirklichen: dem Everest auf Augenhöhe zu begegnen. So war mein „Projekt Nepal 26“ geboren und bestand aus dem Besteigen von drei Bergen innerhalb von 6 Wochen: dem 6461 m hohen Mera Peak, dem 6814 m hohen Ama Dablam und dem mächtigen, 8516 m hohen Lhotse als krönendem Abschluss.
Im letzten April setzte ich mich sechs Wochen lang extremer Kälte, dünner Luft und den harten Entbehrungen der nepalesischen Bergwelt aus. Für mich war es die logische Fortsetzung einer langen Reise. Der Schritt vom Ultramarathon zu meinem „Projekt Nepal 26“ ist nämlich kürzer, als man im ersten Moment vielleicht glaubt. Wer bereit ist, stunden- oder tagelang zu laufen, sucht bereits die Grenze – nicht nur die körperliche, sondern vor allem die mentale.
Die Berge waren für mich schon immer der ultimative Rückzugsort und die grösste Inspiration. Ich wollte wissen, was passiert, wenn man den gewohnten Komfort komplett hinter sich lässt und sich auf das Wesentliche reduziert.
Ohne den Lärm des Alltags entsteht eine Klarheit, die man im modernen Leben nur noch selten findet. ie Entbehrungen wurden dabei schnell zu einer Art Befreiung.
Die Magie des Verzichts und der Reduktion
Sechs Wochen inmitten der höchsten Gipfel der Welt verändern die Perspektive radikal. In der Kälte und Abgeschiedenheit schrumpfen die alltäglichen Sorgen auf ein Minimum zusammen. Es geht plötzlich nur noch um den nächsten Schritt, die Wärme des Tees, den Schutz vor dem Wind. Ohne den Lärm des Alltags entsteht eine Klarheit, die man im modernen Leben nur noch selten findet. Die Entbehrungen wurden dabei schnell zu einer Art Befreiung.
Ich habe aus diesem Abenteuer genau das herausgezogen, was ich mir erhofft habe: eine tiefe Demut gegenüber der Natur und die Gewissheit, dass unsere vermeintlichen Grenzen fast ausschliesslich im Kopf entstehen. Die Besteigung von Ama Dablam und Lhotse war leider aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich.
Der Blick nach vorne: Mit Nepal-Ausdauer zum Wildstrubel
Kaum zurück in der Schweiz, wartet auch schon die nächste sportliche Herausforderung: Der Wildstrubel im September über 70 Kilometer. Die Regeneration nach den intensiven Wochen im Himalaya ist zwar etwas kurz, aber die Ausdauerbasis und die Höhenanpassung aus Nepal sind dafür ein riesiger Vorteil.
Die grösste Umstellung beim Wiedereinstieg? Nach gut sechs Wochen Laufpause musste mein Körper erst wieder lernen, die harten Schläge des Laufens zu verdauen. Während die Grundkondition da ist, müssen sich Sehnen und Muskeln erst schrittweise wieder an die Stossbelastung gewöhnen. Doch die mentale Stärke und die Ruhe aus den Bergen nehme ich definitiv mit auf die Strecke. Die Beine gewöhnen sich langsam wieder ans Rollen – ich freue mich auf die 70 Kilometer!